Aktuelles Filmsymposium

Foto: Steven Keller

Familien-Bilder

24. Internationales Bremer Symposium zum Film

2019 konzentriert sich das Symposium auf Familien-Bilder. Im Zentrum stehen dabei alte und neue Formen des Zusammenlebens. Seit seinen Anfängen reflektiert das Kino das Leben in Gemeinschaften: Neben klassischen Familienkonstellationen, ihrem Zerfall und ihrer Wiedergeburt, finden sich dort familiäre Wohn­gemeinschaften und queere Lebensformen. Familien sind aber auch Arbeits- und Produktionsgemeinschaften, die Filme und Kino hervorbringen – Film und Leben als gemeinschaftliche Praxis miteinander verbinden. Film und Kino sind dabei zugleich Experimentierfelder, Reflexionsorte und Heterotopien („Andere Räume“, Foucault 1992), die aus der Enge von gegebenen Familien herausführen und neue Gemeinschaften begründen. Das Symposium lädt internationale Fachleute und Filmschaffende ein, um über das Verhältnis von Lebensgemeinschaften und Kino nachzudenken.

Datum und Veranstaltungsort:
8.-11. Mai 2018
CITY 46 Kommunalkino Bremen

Kontakt und Info:
Angela Rabing

Universität Bremen
rabing[at]uni-bremen.de

Die Idee, den Film als Medium der Forschung zu nutzen, ist so alt wie der Film selbst. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts zeichneten wissenschaftliche Filme Dinge, Pflanzen, Tiere und Menschen auf. Mit Rückgriff auf den Avantgardefilm, der das Medium Film selbstreflexiv erforscht, wurden in jüngster Zeit Forschungsansätze entwickelt, die sich im Grenzbereich von Wissenschaft und Kunst bewegen. Diese erreichen auf Festivals und im Kunstkontext ein großes Publikum.

Siegfried Kracauer (1969) hat insbesondere die Geschichtsschreibung und parallel dazu den Film in diesem Grenzbereich zwischen Kunst und Wissenschaft verortet und dabei sowohl den Zusammenhang von Ästhetik und Wissenschaftsproduktion herausgestellt als auch die Medialität von Geschichte betont. Filmemacher*innen haben wiederum in Kooperation mit Historiker*innen Formen filmischer Geschichtsschreibung erprobt.

In der Filmwissenschaft hat sich das Genre „Video-Essay“ als kleine Form etabliert, die die klassisch schreibende Tätigkeit audiovisuell erweitert und an Formen des Essayfilms anknüpft. Diese und ähnliche Ansätze zielen auf eine Ästhetisierung von Wissenschaft, auf eine Kritik wissenschaftlich-medialer Beobachtung und auf eine Diversifizierung von textbasierter Erkenntnisproduktion.

Das 22. Internationale Bremer Symposium zum Filmdt zum interdisziplinären Austausch über historische und aktuelle Ansätze von Film als Forschungsmethode ein und gemeinsam auszuloten, wie mit Film forschend gearbeitet werden kann. Die Konferenz setzt sich aus Vorträgen, Diskussionen, Filmvorführungen und Gesprächen zusammen und wird vom 3. – 7. Mai 2017 im CITY 46 / Kommunalkino Bremen stattfinden. Mit dieser Mischung aus Forschung und Filmkultur wendet sich die Konferenz sowohl an Fachbesucher*innen als auch an das Kinopublikum.

Flankiert werden die Vorträge, Gespräche und Diskussionen durch ein umfangreiches Filmprogramm, das ein Kaleidoskop an filmischen Forschungsansätzen aus aller Welt zeigt – vom Beginn der Filmgeschichte bis in die Gegenwart, in verschiedenen Formen, experimentell, dokumentarisch und fiktional.

Im Stummfilm Der Mann mit der Kamera (UdSSR 1929, mit Livemusik-Begleitung von Eunice Martins) untersucht der russische Filmemacher Dziga Vertov die Bewegungen einer Großstadt und ihres Alltags – vom Erwachen der ersten Bewohner über die Arbeit bis hin zu ihren Beschäftigungen nach Feierabend. In dem US-amerikanischen Spielfilm Dressed to Kill (USA 1980) vermisst das Sounddesign die akustische Atmosphäre eines Museumsraumes. Den harten Alltag von Hochseefischern vor der Küste Neu Englands porträtiert die Kamera der Anthropologen und Filmemacher Lucien Castaing-Taylor und Véréna Paravel im experimentellen Dokumentarfilm Leviathan (USA/F/GB 2012), während sich Der Perlmuttknopf (F/CHI/E 2015) mit den dunklen Kapiteln der Diktatur in Chile befasst.

Die wissenschaftlichen Schwerpunkte der Tagung werden von drei Hauptvorträgen und vier Foren gesetzt. In ihnen loten internationale Vertreter der Film- und Medienwissenschaft, aber auch der Philosophie, Geschichte und Ethnologie aus, wie mit Film forschend gearbeitet wird und wurde.

Zu den Referent*innen zählen:

  • die Historikerin Sylvie Lindeperg (Paris), die die Verbindung zwischen Kino, Erinnerung und Geschichte anhand von Memories of the Eichmann Trial (ISR 1979) erforscht

  • der visuelle Anthropologe Paolo Favero (Antwerpen), der zeitgenössische Entstehungsprozesse von Bildern in Indien untersucht, die einen Gegenentwurf zum Ansatz von Robert Gardners Film Forest of Bliss (USA 1986) bilden

  • die Filmwissenschaftlerin Catherine Russell (Montreal), die sich am Beispiel von Los Angeles Plays Itself (USA 2003) mit Fragen vom Film als Archiv auseinandersetzt

Des Weiteren diskutieren Wissenschaftler*innen in vier Foren, welche Methoden zur Erforschung von Produktion, Geschichte, Orten und Naturwissenschaften Filme entwickeln können. Drei Wissenschaftler*innen stellen die im Kontext ihrer Forschung entstandenen Filme zur Diskussion. Der österreichische Filmemacher Michael Palm (Wien) präsentiert seinen neuen Film Cinema Futures (A 2016), der die Zukunft von Film und Kino im Zeitalter digitaler Techniken erkundet.

Das Internationale Bremer Symposium zum Film wird seit über 20 Jahren erfolgreich in Kooperation des CITY 46 / Kommunalkino Bremen e.V. und der Universität Bremen veranstaltet. Seit 2002 unterstützt die nordmedia – Film- und Mediengesellschaft Niedersachsen/Bremen mbH das Projekt.