Aktuelles Filmsymposium

Foto: Steven Keller

Grenzüberschreitendes Kino

23. Internationales Bremer Symposium zum Film

Das Kino erzählt seit seiner Erfindung von den Praktiken der Grenze: von den Erfahrungen des Überschreitens nationaler Grenzen, von der Abschaffung von Grenzanlagen oder von der Neuerrichtung von Grenzzäunen. Filme reisen aber auch selbst um die Welt – fruher auf klassischen Handelswegen zu Kinos und Filmfestivals – heute als digitale Information durch den globalen Datenverkehr. Die Erzählungen des Kinos, wie auch die Reisen der Filme selbst, stellen nationale Grenzen als Produkte einer politischen, sozialen und ästhetischen Praxis aus, die sich kulturell wandeln. Im Anschluss an zeitgenössische Studien zum Migrationskino, zum Kino im Exil und in der Diaspora, sowie im Kontext der interdisziplinären Border Studies lädt das Symposium internationale Fachleute ein, uber die Praktiken der Grenze und ein grenzüberschreitendes Kino nachzudenken.

Grenzuberschreitendes Kino wird mit bestimmten Figuren verbunden: mit Vagabunden, Migranten, Handelsreisenden, Touristen oder Terroristen – aber auch mit weit weniger spezifischen Erscheinungen – wie Fremden oder Außerirdischen. Grenzüberschreitendes Kino ist nur scheinbar festgelegt auf klassische Genres – wie etwa Roadmovie, Western, Kriegsfilm, Science-Fiction oder auf zeitgenössische Ausprägungen wie postkoloniales und transnationales Kino oder ein Kino der doppelten Kulturen. Als ein genuines Bild der Bewegung durchzieht das grenzuberschreitende Kino vielmehr die unterschiedlichsten Formen – wie Hollywoodfilm, Dokumentarfilm, Autorenfilm, Essayfilm, Animationsfilm etc. Von seinen Anfängen bis in die Gegenwart scheint gerade das Kino ein prädestiniertes Medium zu sein, Grenzuberschreitungen zu inszenieren, zu reflektieren, aber auch in actu zu dokumentieren und auf diese oder andere Weise sich an Grenzpraktiken zu beteiligen, sie mit zu gestalten oder neu auszuhandeln.

Das Kino ist bereits sehr früh Teil einer globalen Ökonomie, sowie auch verbunden mit Kolonialismus und einer Aneignung der Welt durch Bilder, audiovisuelle Dokumente und Inszenierungen. Filme sind selbst spezifische Produkte im globalen Warenverkehr, die aber – und das ist das Besondere – ihr Überschreiten von Grenzen selbst sichtbar, hörbar, erzählbar und damit auch verhandelbar machen. Internationale Koproduktionen, Festivals und Distributionswege zeugen davon. Aber auch Theorie- und Geschichts-Diskurse prägen und reflektieren die Überwindung nationalstaatlicher Grenzen als Gegenstand des filmischen Schaffens, sowie dessen Kontext in einer sich globalisierenden Welt. Hierzu zählen beispielsweise die historischen Überlegungen zu einer kinematografischen Universalsprache, Konzepte zur mehrsprachigen Filmproduktion, aber auch die Exilforschung. In zeitgenössischer Perspektive sind es insbesondere die Diskurse des Migrationskinos sowie des Kinos der Diaspora, die diese Entwicklungen explizit zum Thema machen.

Das 23. Internationale Bremer Symposium zum Film versteht sich als Forum, das die unterschiedlichen theoretischen und methodologischen Ansätze zum grenzüberschreitenden Kino in seiner Vielfältigkeit zusammenbringt. Ziel ist es, die Diskussion darüber zu vertiefen, wie grenzuberschreitendes Kino unsere Vorstellungen von Grenzen formiert und informiert, aber auch kritische wie affirmative audio-visuelle Diskurse der Grenze ausbildet. Das Symposium lädt zum interdisziplinären Austausch ein und möchte zudem die Vielfalt von Erzählungen, Darstellungen und Inszenierungen zeitgenössischer und historischer Grenzen als Ergebnis einer sich wandelnden Praxis auch auf der Leinwand des Kinos sichtbar und hörbar machen. Die Konferenz setzt sich aus Vorträgen, Diskussionen, Filmvorführungen und Gesprächen zusammen und wird vom 25. – 29. April 2018 im Kommunalkino Bremen / CITY 46 stattfinden.

Das Internationale Bremer Symposium zum Film wird seit über 20 Jahren erfolgreich in Kooperation des CITY 46 / Kommunalkino Bremen e.V. und der Universität Bremen veranstaltet. Seit 2002 unterstützt die nordmedia – Film- und Mediengesellschaft Niedersachsen/Bremen mbH das Projekt.

Kontakt:
Rasmus Greiner
Universität Bremen 
rgreiner[at]uni-bremen.de

Die Idee, den Film als Medium der Forschung zu nutzen, ist so alt wie der Film selbst. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts zeichneten wissenschaftliche Filme Dinge, Pflanzen, Tiere und Menschen auf. Mit Rückgriff auf den Avantgardefilm, der das Medium Film selbstreflexiv erforscht, wurden in jüngster Zeit Forschungsansätze entwickelt, die sich im Grenzbereich von Wissenschaft und Kunst bewegen. Diese erreichen auf Festivals und im Kunstkontext ein großes Publikum.

Siegfried Kracauer (1969) hat insbesondere die Geschichtsschreibung und parallel dazu den Film in diesem Grenzbereich zwischen Kunst und Wissenschaft verortet und dabei sowohl den Zusammenhang von Ästhetik und Wissenschaftsproduktion herausgestellt als auch die Medialität von Geschichte betont. Filmemacher*innen haben wiederum in Kooperation mit Historiker*innen Formen filmischer Geschichtsschreibung erprobt.

In der Filmwissenschaft hat sich das Genre „Video-Essay“ als kleine Form etabliert, die die klassisch schreibende Tätigkeit audiovisuell erweitert und an Formen des Essayfilms anknüpft. Diese und ähnliche Ansätze zielen auf eine Ästhetisierung von Wissenschaft, auf eine Kritik wissenschaftlich-medialer Beobachtung und auf eine Diversifizierung von textbasierter Erkenntnisproduktion.

Das 22. Internationale Bremer Symposium zum Filmdt zum interdisziplinären Austausch über historische und aktuelle Ansätze von Film als Forschungsmethode ein und gemeinsam auszuloten, wie mit Film forschend gearbeitet werden kann. Die Konferenz setzt sich aus Vorträgen, Diskussionen, Filmvorführungen und Gesprächen zusammen und wird vom 3. – 7. Mai 2017 im CITY 46 / Kommunalkino Bremen stattfinden. Mit dieser Mischung aus Forschung und Filmkultur wendet sich die Konferenz sowohl an Fachbesucher*innen als auch an das Kinopublikum.

Flankiert werden die Vorträge, Gespräche und Diskussionen durch ein umfangreiches Filmprogramm, das ein Kaleidoskop an filmischen Forschungsansätzen aus aller Welt zeigt – vom Beginn der Filmgeschichte bis in die Gegenwart, in verschiedenen Formen, experimentell, dokumentarisch und fiktional.

Im Stummfilm Der Mann mit der Kamera (UdSSR 1929, mit Livemusik-Begleitung von Eunice Martins) untersucht der russische Filmemacher Dziga Vertov die Bewegungen einer Großstadt und ihres Alltags – vom Erwachen der ersten Bewohner über die Arbeit bis hin zu ihren Beschäftigungen nach Feierabend. In dem US-amerikanischen Spielfilm Dressed to Kill (USA 1980) vermisst das Sounddesign die akustische Atmosphäre eines Museumsraumes. Den harten Alltag von Hochseefischern vor der Küste Neu Englands porträtiert die Kamera der Anthropologen und Filmemacher Lucien Castaing-Taylor und Véréna Paravel im experimentellen Dokumentarfilm Leviathan (USA/F/GB 2012), während sich Der Perlmuttknopf (F/CHI/E 2015) mit den dunklen Kapiteln der Diktatur in Chile befasst.

Die wissenschaftlichen Schwerpunkte der Tagung werden von drei Hauptvorträgen und vier Foren gesetzt. In ihnen loten internationale Vertreter der Film- und Medienwissenschaft, aber auch der Philosophie, Geschichte und Ethnologie aus, wie mit Film forschend gearbeitet wird und wurde.

Zu den Referent*innen zählen:

  • die Historikerin Sylvie Lindeperg (Paris), die die Verbindung zwischen Kino, Erinnerung und Geschichte anhand von Memories of the Eichmann Trial (ISR 1979) erforscht

  • der visuelle Anthropologe Paolo Favero (Antwerpen), der zeitgenössische Entstehungsprozesse von Bildern in Indien untersucht, die einen Gegenentwurf zum Ansatz von Robert Gardners Film Forest of Bliss (USA 1986) bilden

  • die Filmwissenschaftlerin Catherine Russell (Montreal), die sich am Beispiel von Los Angeles Plays Itself (USA 2003) mit Fragen vom Film als Archiv auseinandersetzt

Des Weiteren diskutieren Wissenschaftler*innen in vier Foren, welche Methoden zur Erforschung von Produktion, Geschichte, Orten und Naturwissenschaften Filme entwickeln können. Drei Wissenschaftler*innen stellen die im Kontext ihrer Forschung entstandenen Filme zur Diskussion. Der österreichische Filmemacher Michael Palm (Wien) präsentiert seinen neuen Film Cinema Futures (A 2016), der die Zukunft von Film und Kino im Zeitalter digitaler Techniken erkundet.

Das Internationale Bremer Symposium zum Film wird seit über 20 Jahren erfolgreich in Kooperation des CITY 46 / Kommunalkino Bremen e.V. und der Universität Bremen veranstaltet. Seit 2002 unterstützt die nordmedia – Film- und Mediengesellschaft Niedersachsen/Bremen mbH das Projekt.