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Radikale Liebesfilme

Streng genommen kann es keine radikalen Liebesfilme geben. Denn ein Liebesfilm ist ein Genrefilm, d.h. auf bestimmte Muster von Handlung und Szenen programmiert, wie Girl meets Boy, Blicke der ersten Annäherung, Szenen des Zweifels, und je nach Schlussstimmung Kuss vor Sonnenuntergang oder Umarmung eines/r Sterbenden. Radikal wäre ein anderer Stoff: Zwei sind sich mäßig sympathisch, aber nach 10 Jahren Ehe (und Beziehungsarbeit) lieben sie sich. Einen solchen Film gibt es nicht – oder nur als Ausnahme.

Müssten wir eine Wurzel (= radikal) der Liebe benennen, würden wir zuerst auf das Mutter-Kind-Verhältnis stoßen. Biologen halten es überhaupt für den Kern der Menschwerdung, und einiges spricht dafür, dass Liebe hier, und nicht zwischen den Geschlechtern oder zwischen Erwachsenen entsteht. Aber daraus lässt sich kaum etwas ableiten, denn man kann schließlich alles lieben – seinen Partner, die Arbeit, die Stadt in der man wohnt oder gerade nicht wohnt, und vieles mehr. Immerhin könnte man allgemein sagen, Liebe ist Hingabe. Oder genauer, wie Luhmann formuliert: Liebe ist ein Begriff dafür, dass man das, was man vom andern haben will, gerade dadurch selbst gibt. Die 13 Filme dieses Programms sind Annäherungen an ein unmögliches Genre. Sie sind insofern radikal, als sie ihre Sache im Sinne einer audiovisuellen Begriffsarbeit ernst nehmen – auch dann, wenn es Komödien sind

Winfried Pauleit und Rainer Stollman | Universität Bremen
Veranstaltungsort: CITY 46

Die Reihe läuft vom 17.10.2017 bis 30.1.2018 * Alle Filme mit Einführung!

Leoparden küßt man nicht

Mo. 16.10.2017, 18:00 Uhr
Di. 17.10.2017, 17:30 Uhr * mit einer Einführung von Rainer Stollman

Ein junger Professor ist völlig in seine Arbeit verliebt. Jeder Zuschauer sieht, dass seine Verlobung in eine unglückliche Ehe führen wird. Da aber keine Gesellschaft der Welt auf Liebe, sondern noch jede auf Arbeit (bzw. Geld, Vernunft) sich gründet, ist es gefährlich, Liebe allzu sehr in sein Leben zu lassen. So kommt der surreale Leopard ins Spiel, den die wirkliche Geliebte mit sich führt. Ob die Dreiecksgeschichte gut ausgeht, bleibt in der Schwebe. Die letzte Sequenz ist eine große Metapher: Die zerbrechlichen Menschlein wie Korken auf dem gewaltigen Saurierstrom der Liebe. „Bringing up Baby“, die turbulenteste Liebeskomödie der Filmgeschichte, war Christoph Schlingensiefs Lieblingsfilm.

(Bringing up Baby) USA 1938, Regie: Howard Hawks, mit Cary Grant, Katharine Hepburn, 102 Min., DF.

Attenberg

Di. 24.10.2017, 17:30 Uhr * mit Einführung von Winfried Pauleit
Mi. 25.10.2017, 18:00 Uhr

Darf man sich als Tochter den eigenen Vater nackt vorstellen, um die Liebe zu erkunden? Und was kann man aus den Tierdokumentationen von Sir William Attenborough (Attenberg) über die Liebe lernen? Hilft es der Liebe, wenn man mit der besten Freundin Zungenküsse übt oder das Balzverhalten von Tieren nachstellt? Athina Rachel Tsangari befragt das Erwachen der Liebe und der Sexualität vor dem Hintergrund einer idealen Stadt der Moderne, die in der Zeit der griechischen Wirtschaftskrise alle Ideale verloren hat. Eigenwillige Gänge und Tanzeinlagen zeigen die Protagonisten immer wieder als groteske Figuren. Und die Musik der New Yorker Post-Punk-Band Suicide gibt die Stimmlage vor.

GR 2010, Regie: Athina Rachel Tsangari, mit Ariane Labed, Evangelina Randou, Vangelis Mourikis, 95 Min, OmU.

Mädchen in Uniform

Di. 7.11.17, 17:30 Uhr * mit Einführung von Winfried Pauleit

Die Liebe zwischen Schüler und Lehrer ist ein Sonderfall. Sie konfrontiert die institutionalisierte Lehr- und Lernbeziehung mit einem Zuviel an persönlicher Nähe und körperlicher Zuwendung. Sie kann als Verletzung des Obhutsverhältnisses rechtlich geahndet werden. Mädchen in Uniform entwirft ein Verhältnis zwischen Schülerin und Lehrerin und stellt es gegen die strenge preußische Ordnung einer Erziehungsinstitution ohne Wärme und Verständnis. Der Film greift nicht nur die gleichgeschlechtliche Liebe unter Internatsverhältnissen auf, er gilt auch als einer der innovativsten Tonfilme seiner Zeit, der mit Atmosphäre, Dialog und insbesondere mit dem Klang und der „Rauheit der Stimme“ ein Liebesgefühl kinematografisch gestaltet.

D 1938, Regie: Leontine Sagan, mit Hertha Thiele, Dorothea Wieck, 98 Min.

Her

Di. 14.11.2017, 17:30 Uhr * mit Einführung von Winfried Pauleit

Her ist ein Science-Fiction-Film, der die Entwicklung einer neuen Computer-Software mit der romantischen Praxis des Briefeschreibens kreuzt. Die Hauptfigur ist ein Text-Profi und verdient seinen Lebensunterhalt damit, persönliche Briefe (Liebesbriefe, Freundschaftsbekundungen etc.) für andere Leute zu verfassen. Produziert werden die Schriftstücke am Computer als Massenware wie in einer Fabrik. Das entfremdete Arbeitsleben erfährt eine dramatische Wende durch die neue Computer-Software „Samantha“, die sehr authentisch mit der einsamen Hauptfigur kommuniziert: der Beginn einer romantischen Liebesbeziehung. Die hat allerdings ein (altbekanntes) Problem, dass sie – ganz ähnlich wie die romantischen Briefeschreiber – ohne ein körperliches Gegenüber auskommen muss.

USA 2013, Regie: Spike Jonze, mit Joaquin Phoenix, Scarlett Johansson, Amy Adams, 126 Min., OmU.

Wilde Erdbeeren

Di. 21.11.2017, 17:30 Uhr * mit Einführung von Rainer Stollman

„Wenn man einen Film darüber machen würde, daß man nur ganz realistisch daherkommt und plötzlich eine Tür aufmacht, und man geht in seine Kindheit hinein, und dann öffnet man eine andere Tür und kommt in die Wirklichkeit, und dann geht man um die Ecke und kommt in einen anderen Lebensabschnitt, und alles geht so weiter, lebt. Das war nämlich die Grundidee zu ‚Wilde Erdbeeren‘“ (I. Bergman). Diese Lebensreise ist eingebunden in die Reise eines alten Professors von Stockkolm nach Lund zur Entgegennahme eines Preises. Jeder Mensch ist eine Babuschka-Puppe, der Sechsjährige, der Dreißigjährige stecken noch im Siebzigjährigen. Das sog. Ich ist ein Chor von mehreren Stimmen, je nach Situation. Wie reden diese Stimmen in einem Menschen, der den Tod vor sich hat?

Smultronstället – S 1957, Regie: Ingmar Bergmann, mit Victor Sjöstrorm, Marianne Borg, 92 Min., OmU.

Teotrema - Geometrie der Liebe

Di. 28.11.2017, 17:30 Uhr * mit Einführung von Rainer Stollman

Die Familie ist nach Freud die Brutstätte der Beziehungsarbeit. Was Liebe sein soll, lernt jeder Mensch zuerst hier. Sie ist aber auch die „Keimzelle des Staates“ (Friedrich Engels), in der Ordnung, Unterordnung, Verinnerlichung der Macht, Aufgabe des eigenen Willens gelernt werden. In einer großbürgerlichen Familie noch mehr als in einer proletarischen. In Pasolinis Film sprengt ein Engel der Erotik nach und nach alle Familienbande. (Karl Kraus hätte gesagt: Er sprengt „die ganze Familienbande“.) Die Frage ist, ob hier gnadenlos das Grausame und Asoziale der Liebe oder das Lieblose der Familie oder beides zu Ende geführt wird.

I 1968, Regie: Pier Paolo Paolini, mit Silvana Mangano, Massimo Girotti, 98 Min., OmengU.

Der Halunke

Di. 5.12.2017, 17:30 Uhr * mit Einführung von Rainer Stollman

Der Schönheitsfetischismus der Tauschgesellschaft macht Liebe zweifelhaft. Ein perfekt schöner Mensch kann nie sicher sein, ob er wirklich geliebt wird oder dem anderen nur als Trophäe oder Dekoration dient. Adorno geht so weit zu sagen, dass für wahre Liebe heute ein Beleg in Form eines (körperlichen) Fehlers vorhanden sein muss. Nur wenn einer meine erkennbaren Fehler mitliebt, ist es gewiss Liebe. Der Halunke Dr. Popaul macht sich diese Zusammenhänge auf kuriose Weise zunutze, indem er hässliche Frauen verführt. Er heiratet die Tochter eines reichen Arztes und übernimmt dessen Klinik. Natürlich betrügt er seine Frau, landet aber nach einem Unfall selbst in der Klinik. Die überaus komische erotische Börsenspekulation a la baisse funktioniert auf der Beziehungsebene auch nicht auf Dauer.

Docteur Popaul – F/I 1972, Regie: Claude Chabrol, mit Jean-Paul Belmondo, Laura Antonelli, 97 Min., DF.

Badlands

Di. 12.12.2017, 17:30 Uhr * mit Einführung von Winfried Pauleit

„Badlands“ bezeichnet zunächst ein Ödland, das aus verwitterten Gesteinen und Schluchten besteht. Es ist häufig schwer zugänglich und wenig fruchtbar. In diese Landschaft gelangt ein Liebespaar auf der Flucht und verlebt eine glückliche Zeit – bis die Gesellschaft sie einholt. Vorausgeht ein tödlicher Konflikt: Ein junger Mann, der aussieht wie James Dean, verliebt sich in die Tochter eines Malers, der mit großen Werbetafeln für ein glückliches Landleben sein Geld verdient. Die Liebe bahnt sich ihren Weg mit Waffengewalt. Sie versichert sich ihrer selbst aber auch durch historische Fotografien und moderne Medien der Stimmaufzeichnung.

USA 1973, Regie: Terrence Malick, mit Martin Sheen, Sissy Spacek, 90 Min., OmU.

Der siebente Kontinent

Di. 19.12.2017, 17:30 Uhr * mit Einführung von Rainer Stollman

Liebende Paare, die sich umbringen und dadurch die Utopie der Liebe retten, sind gut bekannt: Romeo und Julia, Tristan und Isolde, oder, aggressiv gewendet, Bonnie und Clyde, Mickey und Mallory Knox aus „Natural Born Killers“. Familien die sich umbringen, hat es in Wirklichkeit auch gegeben. So brachten sich etwa 300 Menschen in Waren im April 1945 aus Angst vor der russischen Besatzung um. Hanekes Film spürt ebenfalls einer wahren Begebenheit nach, dem unerklärlichen Selbstmord einer österreichischen Familie in ruhigen Zeiten. Kann man das noch als „Liebestod“ begreifen? Oder ist es im Gegenteil der Gipfel stummer Verzweiflung vor der Leere des eigenen Lebens?

A 1989, Regie: Michael Haneke, mit Birgit Doll, Dieter Berner, Leni Tanzer, 104 Min.

Drei Farben: Weiß

Di. 9.1.2018, 17:30 Uhr * mit Einführung von Rainer Stollman

Es gibt eine Börse der Erotik. Denn wir alle sind zu einer gewissen Verinnerlichung der kapitalistischen Marktgesetze gezwungen, so dass diese unsichtbare Börse ein starker gesellschaftlicher Machtfaktor ist. „Mein Haus, meine Frau, meine Kinder, mein Auto, meine Reisen“, d.h. mein Besitz sagt euch, wer ich bin. In Kieslowskis Film genügt ein Mann nicht mehr den Ansprüchen einer Frau. Wie ein Ding, das nicht mehr gebraucht wird, landet er buchstäblich auf dem Müll. Der Film erzählt, wie sich der Mann rächt. Da in der Wirklichkeit solcher Rache meist der Boden entzogen ist, sie hier aber als verfilmter Rachewunsch genau trifft, geschieht das auf hochkomische Weise.

Trzy kolory: Biały – PL/F 1994, Regie: Krzysztof Kieślowski, mit July Delpy, Zbigniew Zamachowski, 91 Min., OmU.<dfn title="Originalfassung mit Untertiteln"></dfn>

What is Love

Di. 16.1.2018, 17:30 Uhr * mit Einführung von Winfried Pauleit

Der Dokumentarfilm von Ruth Mader fragt nach der Liebe und erzählt in fünf Beispielen davon. Mit seiner Fokussierung auf das Alltagsleben ist er der Ausnahmefilm dieser Reihe. D.h. er zeigt keine Liebesdramatik, sondern gelebten Alltag – Beruf, Arbeitsplatz, Familie, Haus und Garten – Lebensentwürfe quer durch unsere heutige Gesellschaft. Eine Darstellung von „Liebe in Zeiten der Weltgesellschaft“, so könnte man das filmische Unternehmen mit den Worten des Soziologen Karl Otto Hondrich umreißen. Auf immer wieder überraschende Weise verbindet Ruth Mader eine empfindsame Soziologie mit innovativen Ideen der Inszenierung, die dabei audiovisuelle Porträts gestalten, in denen Spuren aufscheinen, die möglicherweise mit Liebe zu tun haben.

A 2012, Regie: Ruth Mader, 80 Min.

Sehnsucht

Di. 23.1.2018, 17:30 Uhr * mit Einführung von Winfried Pauleit

Ein Feuerwehrmann liebt zwei Frauen. Weil er diese Herausforderung nicht anders zu lösen weiß, schießt er sich ins Herz. Eine Gruppe von Kindern aus der Umgebung erzählt die Geschichte noch einmal und überlegt, wie sie ausgeht: „Ja, das hat er überlebt – aber rate mal, mit welcher Frau er nun zusammen ist?“ Der Film basiert auf einer Recherche zum Begriff Sehnsucht. Zu den schönsten Szenen des Films zählt ein Tanz, der kurzzeitig die Sehnsucht und das Glück des Feuerwehrmanns greifbar werden lässt.

D 2006, Regie: Valeska Grisebach, mit Andreas Müller, Ilka Welz, Anett Dornbusch, 88 Min.

Le Parc

Di. 30.1.2018, 17:30 Uhr * mit Einführung von Winfried Pauleit

Eine Verabredung von zwei jungen Menschen im Park. Er erzählt ihr von Sigmund Freud, sie spricht vom Körper, probiert gymnastische Übungen. Der Tag im Park vergeht unbeschwert und unbestimmt. Er führt zur Berührung und zur Liebesbegegnung unter Bäumen. Schluss gemacht wird nur kurze Zeit später – per SMS. Der digitale Datenverkehr überschreibt das Bild des Gartens der Liebe. Doch die Liebe lässt nicht locker, nimmt einen anderen Weg, driftet ab und begibt sich auf eine nächtliche Fahrt ins Fantastische.

F 2016, Regie: Damien Manivel, mit Maxime Bachellerie, Sobéré Sessouma, Naomie Vogt-Roby, 71 Min., OmengU.

Europäisches Autorenkino

Man kann sagen: Zur Zeit gibt es kein Europäisches Autorenkino, obwohl die EU viel Geld für Filmprojekte bereitstellt, um europäische Filme zu fördern. Kino ist ein Geschäft. Es wird darin also immer die Sprache der Waren und des Kapitals gesprochen. Man kann aber auch sagen: Einen Autorenfilm gibt es – wenigstens in Rudimenten – immer, denn ohne lebendige Arbeit lässt sich kein Film herstellen. Autorenfilm ist, kurz gesagt, das Bemühen, der lebendigen Arbeitskraft (Realitätssinn, Phantasie, Achtung des Stoffes, Reflexion der Form) mehr Ausdrucksmöglichkeiten gegenüber der Warenform zu verschaffen. Die wirklichen Autoren sind am Ende allerdings nicht allein der Regisseur, die Schauspieler, Beleuchter (also die lebendige Arbeitskraft, die sich in der Produktion ausdrückt), sondern in eben solchem Maße die Zuschauer, die ihren eigenen Film im Kopf produzieren. – Marx spricht vom „Maulwurf“ der Geschichte, der gelegentlich sich in Revolutionen zeige, ansonsten aber unterirdisch lebe. Das Europäische Autorenkino ist nach 1945 aufgetreten, zuerst als „Italienischer Neorealismus“, dann in Frankreich mit dem „Cinema des auteurs“, später als „Neuer Deutscher Film“. Viele internationale Filmschaffende und Filmfreunde fühlen sich diesem Projekt bis heute verbunden. Diesem Europäischen Autorenkino ist die Filmreihe gewidmet.

Winfried Pauleit, Rainer Stollman, Universität Bremen
Veranstaltungsort: CITY 46

Die Reihe läuft vom 18.10.2016 bis 31.1.2017 *Alle Filme mit Einführung!

Sommer

Di. 18.10.2016, 20:00 Uhr

Rohmer drehte Liebesfilme in Gesprächen, die sich alltäglich, dokumentarisch anhören. Aber das ist eine Maskierung. Die Profis und Laien, die hier zusammen spielen, entwickeln Formen des Redens knapp neben dem Alltag: immer etwas zu frech, subjektiv so dass anthropologische oder philosophische Tiefe zu ahnen ist. Sommer spielt in den Ferien in Dinard: Ein Student kann sich nicht zwischen drei Mädchen entscheiden. Am Schluß kehrt er heim, zu seiner Mutter, und man kann daruber ins Grubeln geraten, ob das Über-Ich der Mutter ihm die erste große Liebe verdorben oder ihn vor Ungluck gerettet hat.

(Conte d’été) F 1996, Regie: Éric Rohmer, mit Melvil Poupaud, Amanda Langlet, 113 Min., OmU, DVD.

Der schöne Tag

Di. 25.10.2016, 20:00 Uhr

Die junge Deutsch-Türkin Deniz will Schauspielerin werden und verdient sich schon mal Geld als Synchronsprecherin. Eines Tages trennt sie sich von ihrem Freund Jan und streift mehr oder minder ziellos durch Berlin – mit der U-Bahn, mit der S-Bahn, mit der Straßenbahn oder zu Fuß. Sie besucht ihre verwitwete Mutter, trifft sich mit ihrer ungewollt schwangeren Schwester und führt in einem Café mit einer Universitätsdozentin ein Gespräch über die Liebe. Unterwegs lernt sie den Portugiesen Diego kennen. Die beiden flirten auch miteinander, aber auf eine Beziehung ist keiner von beiden scharf. Ein Film über das Unterwegs-Sein, über das Unentschieden-Sein und über die Flüchtigkeit von Wahrnehmungen und Empfindungen. Und nicht zuletzt ein Film über die Darstellung all dessen im Film.

D 2001, Regie: Thomas Arslan, mit Serpil Turhan, Bilge Bingul, Florian Stetter, 74 Min.

Wolken ziehen vorüber

Di. 1.11.2016, 20:00 Uhr

Kaurismäki erzählt proletarische Märchen. Außerdem ist er der Meinung, dass in Filmen viel zu viel geredet wird. (Was wohl herausgekommen wäre, wenn er zusammen mit Rohmer einen Film produziert hätte?) Getrunken wird schon, so dass K. in Finnland bei weitem nicht so beliebt ist wie im übrigen Europa. „Die Kneipentheke ist ein poetisches Element, eine Bühne zufälliger Begegnungen – oder zumindest war es so, bis man verboten hat, an der Theke zu rauchen.“ „Es handelt sich um einen Film über Solidarität. Ein Begriff, der aus dem allgemeinen Sprachgebrauch allmählich verschwindet.“ (A. Kaurismäki)

(Kauas pilvet karkaavat) FIN 1996, Regie: Aki Kaurismäki, mit Kati Outinen, Kari Väänänen, 96 Min., Omu.

Das Kind

Di. 8.11.2016, 20:00 Uhr

Zunächst wird nur die Wohnung der Freundin vermietet – ohne ihr Wissen. Dann wird das ökonomische Handeln ausgeweitet. Ein junger Vater trägt sein gerade geborenes Kind zu Markte. Er handelt einen Preis für das Kind aus. Geld wird gegen Kind getauscht. Das banal Alltägliche wird ins Monströse getrieben und dann in eine Tragödie überführt. Der Vater erkennt seine Schuld, versucht den Handel rückgängig zu machen, verstrickt sich bei illegalen Geschäften und landet im Gefängnis. Das Kind ist eine Versuchsanordnung, in der die Ökonomisierung menschlicher Beziehungen ausgestellt wird.

(L’enfant) B/F 2005, Regie: Jean-Pierre & Luc Dardenne, mit Jérémie Renier, Déborah François, 95 Min., Omu.

Taxi Teheran

Di. 15.11.2016, 20:00 Uhr

Der Regisseur fährt ein Taxi. Unterschiedliche Menschen steigen ein und aus. Sie verkaufen kopierte Filme auf Datenträgern, transportieren Goldfische oder wollen nach einem Verkehrsunfall – verletzt auf der Rückbank des Taxis liegend – ihr Testament mit einem Smartphone aufnehmen. Die Kamera zeichnet alles auf. Oder ist alles inszeniert? Jafar Panahi dreht unter erschwerten Bedingungen. Die Regierung seines Landes hat ein langjähriges Berufsverbot verhängt. Seine Filme werden außer Landes geschmuggelt und sind nur im Ausland zu sehen. Sie werden zur Neuen Welle des iranischen Kinos gerechnet.

(Taxi) IRAN 2015, Regie: Jafar Panahi, mit Jafar Panahi, Hana Saeidi, 82 Min., Omu.

Sie küßten und sie schlugen ihn

Di. 22.11.2016, 20:00 Uhr

Die erste Einstellung beginnt auf einem namenlosen Schüler. Man sieht, wie er schreibt, und man hört den kratzenden Schriftzug seiner Feder. Dann holt der Schüler aus der Lade seiner Bank ein Kalenderblatt mit einem Pin-Up darauf und reicht es durch die Reihen. Ein anderer Schüler legt sein Heft beiseite und nimmt sich stattdessen das Pin-Up vor. Man kann vermuten, dass der Schüler dem Pin-Up einen Bart anmalt. Wir erleben die Geburtsstunde des „Cinéma des Auteurs“ und die erste Filmperformance des gerade entdeckten Schauspielers Jean-Pierre Léaud, der das französische Autorenkino wie kein anderer verkörperte.

(Les 400 coups) F 1959, Regie: François Truffaut, mit Jean-Pierre Léaud, Claire Maurier, 99 Min., Omu.

Ausser Atem

Di. 29.11.2016, 20:00 Uhr

Von Walter Benjamin gibt es den schönen Aufsatz: „Was die Deutschen lasen, als Goethe schrieb“. Diesen Titel kann man aktualisieren: Was die Europäer in den Kinos sahen, als Godard Filme drehte. Jahr für Jahr bringt dieser Meister nämlich einen Film heraus, aber selbst in Paris ist es schwer, das Kino zu finden, das diese Filme zeigt. Stattdessen schmückt sich Hollywood mit seinem Namen und verleiht ihm den Oscar für sein Lebenswerk. - Sehen Sie diesen Klassiker der Nouvelle Vague einmal anders: Patricia (Jean Seberg) sucht einen Vater für ihr ungeborenes Kind, findet aber keinen. Hat sie nicht recht, wenn sie Michel (Jean-Paul Belmondo) wegen seiner romantischen Verantwortungslosigkeit erschießt?

(À bout de souffle) F 1960, Regie: Jean-Luc Godard, mit Jean Seberg, Jean-Paul Belmondo, 87 Min., O

Die allseitig reduzierte Persönlichkeit - Redupers

Di. 6.12.2016, 20:00 Uhr

West-Berlin im Jahr 1977. Das erste Bild zeigt die Berliner Mauer, die man so heute nur noch in Filmen oder auf Fotos sehen kann. Die Stadt mit ihren Straßenzügen, Hausfassaden, Schildern, Schriften und Graffities wird als Bewegungsbild in Szene gesetzt. Edda (Helke Sander), ist Pressefotografin zu einer Zeit, als man noch analog fotografierte. Die verschiedenen Arbeitsgänge – Fototermin, Aufnahme, Entwicklung des Negativs, Abzüge in der Dunkelkammer, Trockenpresse, Gespräch über den Preis des Fotopapiers – werden vorgeführt. Und dies geschieht ähnlich konkret wie in Antonionis Film Blow Up, allerdings ist Edda nicht mit karrierewitternden Groupies, sondern mit ihrer Frauengruppe in der Fotosession.

D 1978, Regie: Helke Sander, mit Helke Sander, Joachim Baumann, 98 Min

Die Strände von Agnès

Di. 13.12.2016, 20:00 Uhr

Vardas autobiografische Erzählung beginnt mit akustischen und haptisch-materiellen Erinnerungsspuren: die Möbel im Schlafzimmer der Eltern, das Quietschen der Schranktür, das handbetriebene Grammophon auf dem die Mutter manchmal Schuberts Unvollendete hörte. Die Regisseurin versucht ein Re-enactment, in dem sie zur unvollendeten Symphonie das Quietschen eines Scharniers montiert: eine Tonmontage aus klassischer Musik und musique concrète. Dieses Arrangement ist ein Vorspiel innerhalb der Titelsequenz, die die Erinnerungsspuren aus der Kindheit in eine Installation transformieren: ein Bettgestell als Perspektivrahmen am Strand.

(Les plages d’ Agnès) F 2008, Regie: Agnès Varda, mit Agnès Varda, Blaise Fournier, 108 Min., OmU

Just a Kiss

Di. 20.12.2016, 20:00 Uhr

Eine pakistanische Familie, die schon 40 Jahre in London lebt. Wie schwer ist es trotzdem, wenn sich einer aus der kulturellen Zwangsjacke lösen will. Ken Loach, der den Thatcherismus mit proletarischen Solidaritätskomödien bekämpfte, erzählt hier eine zeitgenössische Romeo-und-Julia-Geschichte, in der nicht nur mächtige Familien, sondern staatliche Instanzen äußere Hindernisse bilden. Außerdem schlägt alles, anders als bei Shakespeare, auf die Binnenbeziehung durch. Bewundernswert, wie Loach diesen Realismus mit Heiterkeit und Komik verbindet, ohne zu lügen.

GB 2004, Regie: Ken Loach, mit Atta Yaqub, Eva Birthistle, 100 Min., OmU

Liebes Tagebuch

Di. 10.01.2017, 20:00 Uhr

35 Jahre nach Sie küssten und schlugen ihn inszeniert sich der italienische Autorenfilmer Nanni Moretti als Tagebuchschreiber und zeigt in seiner ersten Einstellung eine schreibende Hand. Auch bei Moretti wird das Schreiben mit einem Bild des Begehrens konfrontiert. Die Hand schreibt (in englischer Übersetzung): „Dear Diary, there’s one thing, I like most!“, und dann wechselt die Szene ohne Kommentar in das audio-visuelle Bild einer Vespa-Fahrt durch Rom. Man kann nur raten, was Moretti das Liebste ist: das Vespa-Fahren, das Fil-memachen, das ins Kinogehen oder alles zusammen

(Caro Diario) I 1993, Regie: Nanni Moretti, mit Nanni Moretti, Jennif-er Beals, 100 Min., OmU, 35mm

Katzelmacher

Di. 17.01.2017, 20:00 Uhr

Eine Gruppe junger Erwachsener, die wenig mit sich anzufangen weiß, wird in statischen Einstellungen und in grobkörnigem Schwarzweiß porträtiert. Die Ordnung wird gestört, als ein griechischer Gastarbeiter (ein Katzelmacher) dazu kommt, gespielt von Fassbinder selbst. Die Dialoge erinnern an Brecht’sches Theater. Der Ausländer wird schließlich von den deutschen Männern verprügelt. Trotzdem hat er eine deutsche Freundin (Hanna Schygulla), die von ihm schwärmt, „im Sommer nimmt er mich mit nach Griechenland“ und „in Griechenland ist alles anders“.

D 1969, Regie: Rainer Werner Fass-binder, mit Hanna Schygulla, Lilith Ungerer, 88 Min., 35mm

Inglourious Basterds

Di. 24.01.2017, 20:00 Uhr

In einer Szene dieses Films drückt ein hoher Nazi seinem Opfer den Daumen auf eine blutende Stelle seines Körpers. Als der auferstandene Jesus vor den Jüngern erschien, legte der ungläubige Thomas den Finger in dessen Wunde. Man kann den gesamten Film von dieser Metapher her deuten: Er legt den Finger in die offene Wunde des Faschismus am Körper der Geschichte. Tarantino verfilmt nicht (wie es etwa Spielberg will) den historischen Faschismus, sondern unsere Gefühle, wenn wir uns diesem Thema zuwenden.

USA/D 2009, Regie: Quentin Taran-tino, mit Brad Pitt, Christoph Waltz, Mélanie Laurent, 154 Min., OmU, DCP

Der mit den Bildern tanzt

Di. 31.01.2017, 20:00 Uhr, Uraufführung

Alexander Kluge und Anselm Kiefer haben sich angefreundet. In seinem gigangtischen „Arsenal“ in Croissy-Beauburg bei Paris, umgeben von großen Bildern, Installationen und Materialien unterhalten sie sich u.a. über Anteile von Kopf und Dickdarm an künstlerischer Arbeit, über Vorbilder, Tunnelgraben, „Sieben himmels-paläste“, die Relativität der Zeit. Außerdem projiziert Kluge Filmbilder auf von Kiefer behandelte Leinwand („elefantenhaut“). Der Film wird in Bremen uraufgeführt.

D 2017, Regie: Alexander Kluge, mit Alexander Kluge, Anselm Kiefer, ca. 90 Min., DCP

„Sie war eine engagierte und leidenschaftliche Filmemacherin wie keine andere, aktiv im Dokumentarfilm ebenso wie im Spielfilm. Ihr Film Deutschland, bleiche Mutter ist ein Meilenstein der deutschen Filmgeschichte. Ihr Tod reißt eine schmerzliche Lücke in die Filmlandschaft.“
Ulrich Gregor würdigt Helma Sanders-Brahms.

Film und Geschichte: Deutschland, bleiche Mutter von Helma Sanders-Brahms (D 1980)

aus der Reihe: Schule des Sehens

Di. 22.07.2014, 18:30-19:30 Uhr im CITY 46/ Kino-Schule

Leitung: Dr. Bettina Henzler

Am Beispiel von Deutschland, bleiche Mutter widmet sich die Kino-Schule dem Verhältnis von Film und Geschichte: Wie kann durch die Inszenierung von persönlicher Erinnerung ein Zugang zur Geschichte vermittelt werden? Wie macht gerade die Heterogenität des Films Geschichte als Zusammenhang von individueller Erfahrung, Überlieferung von Fakten und kulturellen Mythen erfahrbar?

Die Rezeptionsgeschichte von Deutschland, bleiche Mutter – der bei seinem Erscheinen 1980 in Deutschland verrissen, im Ausland gefeiert wurde – ist dabei selbst ein Dokument des Umgangs mit Geschichte im Nachkriegsdeutschland.  In ihr spiegelt sich die Frage nach der Legitimität von Geschichtsschreibung aus einer subjektiven (weiblichen) Perspektive.

Deutschland, bleiche Mutter

Film zum Seminar
Di. 22.07.2014, 20:00 Uhr im CITY 46/ Kino 1

Deutschland, bleiche Mutter von Helma Sanders-Brahms gilt heute als ein Meilenstein des Neuen Deutschen Films. Die Regisseurin erzählt darin die Geschichte ihrer Mutter und damit einer "verlorenen" Generation Frauen, die im Krieg jung verheiratet waren und danach mit ihren kriegstraumatisierten Männern den "Wiederaufbau" leisten mussten. Diejenigen, die keine nationalsozialistischen Täterinnen waren, aber weggeschaut und geschwiegen haben. Der Film kombiniert symbolisch verdichtete Szenen mit dokumentarischem Material, um eine Mutter-Kindbeziehung vor dem Hintergrund von Krieges und Zerstörung zu zeigen.

Deutschland, bleiche Mutter kam nach der Erstaufführung auf der Berlinale 1980 nur in gekürzter Version in die Kinos. Nach der Restaurierung durch die Deutsche Kinemathek ist er erstmals in Bremen in seiner ursprünglichen Länge und Qualität zu sehen. Mit seiner Aufführung erinnern wir an die in diesem Jahr verstorbene Regisseurin Helma Sanders-Brahms.

Was erzählt uns das Kino vom Zuschauer?

aus der Reihe: Schule des Sehens

Mi. 16.01.2013, 18:00-20:00 Uhr im CITY 46/ Kinoschule

Leitung: Dr. Bettina Henzler

Seit Beginn der Filmgeschichte ist die Situation des Zuschauers auch ein Thema des Kinos. Das gilt vor allem für Filme, in denen Kino als Ort auftaucht oder der Zuschauer in einem fiktiven Publikum gespiegelt wird, wie in Sherlock, jr. von Buster Keaton (1924), Les quatre cents coups von François Truffaut (1959), Abouna von Mahamet Saleh-Haroun (2002) oder auch Charly and the Chocolate Factory von Tim Burton (2005). Auch phantastische Welten können die Mechanismen des Kinos als "Traummaschine" vor Augen führen: wenn wir beispielsweise riesige Köpfe an Fenstern auftauchen sehen oder wenn wir Figuren in eine Traumwelt folgen.
Anhand einer Reihe von Filmausschnitten beschäftigen wir uns mit der Frage, was uns Filme über den Zuschauer erzählen, wie sie Fragen zur Bedingung und Wirkung der Filmwahrnehmung aufwerfen, die auch die Filmtheorie bis heute beschäftigen.

Sherlock, jr.

Film zum Seminar
Mi. 16.01.2013, 20:30 Uhr  im CITY 46/ Kino 1

Sherlock, jr., USA 1924, Regie: Buster Keaton, 45 Min., Musikbegleitung: Ezzat Nashashibi

Filmvorführer Buster steigt im Traum in das Geschehen auf der Leinwand ein. Als raffinierter Meisterdetektiv versucht er das Herz seiner Angebeteten zu gewinnen. Da der Großteil der Filmhandlung aus diesen Traumsequenzen besteht, hatte Keaton die Möglichkeit, "unmögliche" Gags, Filmtricks und Stunts einzusetzen, die in einer realitätsbezogeneren Komödie nur schwer Platz gefunden hätten. Ein außergewöhnlicher Film über das Wesen des Kinos.

Teknolust | Lynn Hershmann

Biographie versus Technologie - Wie Cyborgs vom Kino lernen in Lynn Hershmans Teknolust

Sonderprogramm

Mi. 18.07.2012, 19:30 Uhr im CITY 46/ Kino 1

Vortrag Prof. Dr. Winfried Pauleit

In Kooperation mit der Kunsthalle Bremen anlässlich der Preisträgerausstellung des digital art award vom 2. Juni bis 19. August 2012

Teknolust

Film zum Vortrag
im Anschluss, ca. 20:00 Uhr

Teknolust, USA 2002, Regie: Lynn Hershman, mit Tilda Swinton, Jeremy Davies, 85 Min., OmU

Lynn Hershman erzählt in Teknolust die Geschichte einer Biogenetikerin namens Rosetta Stone. Mit Hilfe eines Computers gelingt es Stone, nicht nur ihre eigene DNS zu vervielfältigen, sondern daraus auch drei Replikanten zu züchten, im englischen Original werden sie Self-Replicating Automatons genannt, kurz SRAs, die nicht nur menschlich aussehen, sondern auch der Hauptfigur Rosetta wie aus dem Gesicht geschnitten sind. Alle vier Figuren werden von der Schauspielerin Tilda Swinton gespielt. Die Biogenetikerin und ihre Nachschöpfungen unterscheiden sich nur durch Haarfarbe und Frisur und die drei SRAs zusätzlich untereinander durch die Farbe ihrer Kleidung, die auch ihren drei Namen entsprechen: Olive, Marinne und Ruby.

Weitere Filme von Lynn Hershman im CITY 46:
Strange Culture, USA 2007, Sa. 02.06.2012, 20:30 Uhr
Conceiving Ada, USA 1997, Do. 16.08.2012, 19:30 Uhr

Film noir

aus der Reihe: Schule des Sehens

Mi. 04.07.2012 18:00-20:00 Uhr, CITY 46/ Kinoschule

Leitung: Dr. Bettina Henzler

Jean-Luc Godards À bout de souffle ist eine Hommage an den Film noir. In dem Seminar werden die Merkmale dieses Genres des amerikanischen Gangsterfilms der 1940er Jahre und ihre Parodie in dem Kultfilm der Nouvelle Vague untersucht.

À bout de souffle

Film zum Seminar
Mi. 04.07.2012, 20:00 Uhr im CITY 46/ Kino 1

(Wdl.: 01.07., 19:30 Uhr | 02.07., 19:30 Uhr | 03.07., 19:30 Uhr)

À bout de souffle, F 1959, Regie: Jean-Luc Godard, mit Jean-Paul Belmondo, Jean Seberg, Claude Mansard, 87 Min., OmU

„Nach diesem Film werde das Kino nie mehr so sein wie zuvor – das soll François Truffaut zur Premiere von Außer Atem gesagt haben. In den Straßen von Paris gedreht, mit jungen Darstellern, die sich frei vor der Kamera bewegten, und einem schnellen Rhythmus brachte dieser Film wie kein anderer das Lebensgefühl der 1960er Jahre zum Ausdruck.
Auf dem Weg nach Paris gerät der Autodieb Michel Poiccard mit einer gestohlenen Luxuslimosine in eine Geschwindigkeitskontrolle. Er erschießt einen Polizisten und versteckt sich bei der jungen Amerikanerin Patricia, die in Paris Zeitungen verkauft und sich zum Ziel gesetzt hat, Journalistin zu werden. Während Michel versucht, Geld für die gemeinsame Flucht aufzutreiben, gerät Patricia in das Visier der Polizei und muss sich zwischen ihren Gefühlen und der Karriere entscheiden.
Mit dem billig gedrehten Film revolutionierte Jean-Luc Godard die Filmsprache und stellte die Regeln des Film noir auf den Kopf. Der glücklose Kleinkriminelle Michel ist eine Parodie des coolen Hollywood-Helden. Und Patricia, die nach Selbstverwirklichung und Unabhängigkeit strebt, ähnelt so gar nicht der klassischen Gangsterbraut. In der Suche nach Glück und Freiheit wurden die beiden zu Ikonen der Jugendkultur, die Darsteller Jean Seberg und Jean-Paul Belmondo zu Stars der Nouvelle Vague." © Cinéfête

5 Lessons and 9 Questions about Chinatown | Shelly Silver

Sprache und Film

aus der Reihe: film:art

Mi. 27.06.2012, 16:30-20:00 Uhr im CITY 46/ Kinoschule

Leitung: Christine Rüffert

Sprache ist im Film viel selbstverständlicher als in der Kunst. Sprache gab es sogar schon im Stummfilm (als Zwischentitel oder live durch den Kinoerzähler). Dialoge gehören in unserem Verständnis zum Spielfilm wie Kommentare zum Dokumentarfilm. Aber wie in der Kunst kann der Einsatz von Sprache auch im Film dem selbstreflektorischen Erkenntnisgewinn dienen. Dem Seminar folgt das Filmprogramm:

Sprache und Film

film:art 54

Programm zum Seminar
Mi. 27.06.2012, 20:30 Uhr im CITY 46/ Kino 1

Ein in Casablanca gefundenes Fragment eines indischen Films mit arabischen und französischen Untertiteln, ein Videokunstessay über die Geschichte der New Yorker Chinatown, eine gesungene feministische Pop-Performance aus Österreich, ein Festivaltrailer und die konzeptionelle Publikumsverulkung eines kanadischen Avantgardefilmmeisters zeigen den vielfältigen, reflektierten Umgang von Film- und Videokünstlern mit der gesprochen und geschriebenen Sprache im Film. 

In Kooperation mit der Weserburg | Museum für Moderne Kunst anlässlich der Ausstellung der "ars viva 11/12 Sprache - Language".

Durch das Programm führt die Kuratorin Christine Rüffert.

Die Filme:
   | Film ist mehr als Film | Gustav Deutsch | A 1996 | 35mm | 1 Min.
   | 5 Lessons and 9 Questions about Chinatown | Shelly Silver | USA 2009 | bluray | 10 Min.
   | so is this | Michael Snow | Can 1982 | 16mm | 47 Min.
   | b-star, untötbar! | Sabine Marte | A 2009 | Beta SP | 7 Min.
   | Film/Spricht/Viele/Sprachen | Gustav Deutsch | A 1995 | 35mm| 1 Min.

Programmlänge ca. 100 Min. (Filmlänge 66 Min.)

Die Abgründe der Komik

aus der Reihe: Schule des Sehens

Mi. 23.05.2012, 18:00-20:00 Uhr, CITY 46/ Kinoschule

Leitung: Dr. Bettina Henzler

Am Beispiel von To Be or Not to Be von Ernst Lubitsch verfolgen wir die Fragen: Warum lachen wir? Wie kann Komik an Tragik grenzen? Welches subversive und kritische Potenzial hat die Komödie? Dabei werden auch Bezüge zu anderen Hollywood-Komödien der 1930-40er Jahre hergestellt.

Sein oder Nichtsein

Film zum Seminar
Mi. 23.05.2012, 20:30 Uhr im CITY 46/ Kino 1

(Wdl.: 17.05. 18:00 Uhr | 19.05., 21.05., 23.05. jeweils 20:30 Uhr | 18.05. 22:30 Uhr)

Sein oder Nichtsein (To Be or Not to Be), USA 1942, Regie: Ernst Lubitsch, mit Carole Lombard, Jack Benny, Robert Stack, 99 Min., DF

Mit der Satire To Be or Not to Be stellte sich Ernst Lubitsch, für seine spritzigen Screwball-Comedys bekannt, 1941 der Gegenwart von Nationalsozialismus, Holocaust und Krieg. Der Titel verweist auf Shakespeares Dramen, auf das Theater, das Schauplatz des Geschehens ist: Hier probt eine Truppe arbeitsloser Schauspieler ein Stück gegen den Faschismus. Jedoch erhält das Spiel um Sein und Schein im historischen Kontext der Besatzung Polens durch die Nationalsozialisten eine existenzielle Dimension: Nicht zu scheinen, was man ist, wird zu einer Frage von Leben und Tod. Die Theaterbühne muss verlassen werden, um Widerstand gegen den Terror zu leisten und zugleich wird das Theaterspiel zu einer Strategie des Überlebens.

K wie Kurosawa

aus der Reihe: Das ABC des Autorenfilms

Mi. 25.04.2012, 16:00-20:00 Uhr im CITY 46/ Kinoschule

Leitung: Prof. Dr. Winfried Pauleit

Akira Kurosawa wird seit seinem Film Rashomon in der westlichen Welt als ausgezeichneter Regisseur gefeiert, mit dem er 1951 den Goldenen Löwen beim Filmfest in Venedig gewinnt. Mit seinem Film Die sieben Samurai etabliert er 1953 seinen Weltruhm. Im Zentrum des Seminars stehen allerdings Kurasawas weniger bekannte Auseinandersetzungen mit dem zeitgenössischen Japan der Nachkriegszeit. Darin zeichnet er komplexe Konflikte im Alltagsleben der Großstadt mit einem unvergleichlichen Sinn für die Bildkomposition.

Akira Kurosawas Träume

Film zum Seminar
Mi. 25.04.2012, 20:30 Uhr im CITY 46/ Kino 1

(Wdl.: Sa. 29.04. + Mo. 30.04.2012, 18:00 Uhr | Di. 01.05. + Mi. 02.05.2012, 20:30 Uhr)

Akira Kurosawas Träume (Yume), Jap/ USA 1990, Regie & Buch: Akira Kurosawa, mit Akira Tearo, Mitsuko Baisho, Martin Scorcese, 119 Min., OmU

Akira Kurosawas 29. Film gilt als sein persönlichstes und intimstes Werk. Die acht Episoden greifen auf wahre Träume des Regisseurs zurück und verbinden Kindheitserinnerungen, Ängste und Hoffnungen zu einem farbenprächtigen Reigen von außergewöhnlicher Poesie. "Eine eindringliche Aufforderung, zu den Wurzeln des Lebens ... zurückzukehren und selbst hinter den Banalitäten das Geheimnis des Daseins zu entdecken." (film-dienst)

Coming Attractions | Peter Tscherkassky

Strategien des Found Footage Films

aus der Reihe: film:art

Mi. 08.02.2012, 16:00-18:00 Uhr im CITY 46/ Kinoschule

Leitung: Christine Rüffert

Die Arbeit mit sog. found footage hat gerade im österreichischen Avantgardekino eine lange Tradition. Ob frühes Kino, Wochenschau, Werbefilm oder Porno, "gefundenes Material" ist der Steinbruch, aus dem neue, atemberaubende Werke montiert werden, die auf analytische und zugleich humorvolle Weise Filmgeschichte recyclen und das Kino selbst de-konstruieren. Das Seminar beleuchtet unterschiedliche Strategien der Arbeit mit Found Footage. Dem Seminar folgt das Filmprogramm:

Peter & Peter

film:art 53

Filmprogramm zum Seminar
Mi. 08.02.2012, 18:00 Uhr im CITY 46/ Kino 1

Peter Kubelka und Peter Tscherkassky sind weltweit renommierte Vertreter des experimentellen Kinos. In ihren Filmen dekonstruieren sie auf scharfsinnige und humorvolle Art die Grundlagen des Kinos und erfinden es neu. In der Gegenüberstellung des jeweils ersten sowie neuesten ihrer Filme erschließt sich auch die Kontinuität der österreichischen Filmavantgarde der letzten 60 Jahre.

Mit einer Einführung von Christine Rüffert.

Die Filme:
   | Mosaik im Vertrauen | Peter Kubelka | A 1955 | 16 Min.
   | Dichtung und Wahrheit | Peter Kubelka | A 1996-2003 | 13 Min.
   | Liebesfilm | Peter Tscherkassky | A 1982 | 8 Min.
   | Coming Attractions | Peter Tscherkassky | A 2010 | 25 Min.

Der Zauberer von Oz | Victor Fleming

Farbe, Tricks und Projektionen

aus der Reihe: Schule des Sehens

Mi. 01.02.2012, 16:00-18:00 Uhr im CITY 46/ Kinoschule

Leitung: Dr. Bettina Henzler

An dem legendären, in knallbunten Technicolor gedrehten Märchen-Musical The Wizard of Oz wird die Entwicklung der Farbe im Film, Ausstattung und Tricktechniken des klassischen Hollywoodkinos besprochen. Die Geschichte vom Wunderland hinter dem Regenbogen erzählt auch vom Kino selbst als Projektionsfläche unserer Träume.

The Wizard of Oz

Film zum Seminar
Mi. 01.02.2012, 18:00 Uhr im CITY 46/ Kino 1

(Wdl.: Do. 02.02.2012, 20:00 Uhr)

The Wizard of Oz, USA 1939, Regie: Victor Fleming, mit Judy Garland, Frank Morgan, Ray Bolger, 107 Min., OmU

Der Zauberer von Oz ist nicht nur ein weltberühmtes Kinderbuch von L. Frank Baum (1900), sondern einer der erfolgreichsten und meistzitierten Filme der amerikanischen Filmgeschichte (1939). Der farbenfrohe Märchen-, Abenteuer- und Musical-Film aus der Blütezeit der Hollywood-Studios lädt heute wie damals zum Träumen ein. Er beeindruckt durch seine Farb- und Musikgestaltung, fantastische Kostüme und Studiobauten, verblüffende Tricktechniken und eine ebenso einfache wie vielschichtige Geschichte. Im Zentrum steht – ähnlich wie bei Alice im Wunderland – ein Mädchen, das in eine fremde Traumwelt reist, dort mit bösen Mächten kämpft und spannende Abenteuer erlebt.

John Cassavetes

C wie Cassavetes

aus der Reihe: Das ABC des Autorenfilms

Mi. 25.01.2012, 16:00-18:00 Uhr im CITY 46/ Kinoschule

Leitung: Prof. Dr. Winfried Pauleit

Cassavetes steht für ein US-amerikanisches Kino jenseits von Hollywood. Sein Werk ist von einer avantgardistischen Ästhetik geprägt, zu deren Besonderheiten die Arbeit mit Licht, Kamera und das Schauspiel gehören. Cassavetes wendet sich dem Alltag und dem realen Leben zu – jenseits von Perfektion und Hollywood-Glamour.

Gloria

Film zum Seminar
Mi. 25.01.2012, 18:00 Uhr im CITY 46/ Kino 1
(Wdl.: Do. 26.01.2012, 20:00 Uhr)

Gloria, USA 1980, Regie: John Cassavetes, mit Gena Rowlands, Buck Henry, 103 Min.

Gloria, die Ex-Geliebte eines Mafiabosses, will ihre Freundin warnen, dass ihre Familie von der "Firma" liquidiert werden soll. Doch zu spät, sie kann gerade noch den sechsjährigen Phil retten. Die kühle Blonde hasst Kinder, doch zwischen ihr und Cosmo entsteht auf ihrer Flucht eine tiefe Freundschaft. Cassavetes erzählt diese Geschichte in einer Vielzahl von Einzelbildern.

Archiv des Arsenals

"Living Archive": Film als Theorie – Theorie als Film

Sonderprogramm

Mi. 11.01.2012, 16:00-18:00 Uhr im CITY 46/ Kinoschule

Leitung: Prof. Dr. Winfried Pauleit

Living Archive beschreibt eine zeitgemäße Archivarbeit, die nicht nur dem Selbsterhalt dient, sondern neue Zugänge zum Filmerbe herstellt. Im Teilprojekt "Film als Theorie – Theorie als Film" werden die Filme von Laura Mulvey und Peter Wollen erforscht. In Kooperation mit Arsenal - Institut für Film und Videokunst.

Riddles of the Sphinx

Film zum Seminar
Mi. 11.01.2012, 18:00 Uhr im CITY 46/ Kino 1

Riddles of the Sphinx, GB 1976-1977, Regie & Buch: Laura Mulvey, Peter Wollen; mit Dinah Stabb, Merdelle Jordine, 92 Min., OmU

Laura Mulvey gilt als Leitfigur der feministischen Filmanalyse, in der sie erstmals patriarchale Einflüsse auf Frauenbilder im frühen Hollywoodfilm untersuchte. In Riddles of the Sphinx versuchte sie, einen den Frauenkörper fetischisierenden Filmblick zu vermeiden. "Einen Film zu finden, der die Grenzen verschiedener Publikumserwartungen überschreitet, der bescheiden und doch streng in seiner intellektuellen Anlage ist, vergnüglich und zugleich provokativ – das ist wirklich ein seltenes Ereignis." (Sight & Sound 1977)

B wie Bresson

aus der Reihe: Das ABC des Autorenfilms

Mi. 21.12.2011, 16:00-18:00 Uhr im CITY 46/ Kinoschule

Leitung: Prof. Dr. Winfried Pauleit

Bressons Kunst ist die Suche nach der knappsten, sparsamsten Formulierung. Was er im Laufe seines Lebenswerks an Verfeinerungen der Mittel entwickelt hat, zielte immer darauf, mit noch weniger auszukommen.

Das Geld

Film zum Seminar
Mi. 21.12.2011, 18:00 Uhr im CITY 46/ Kino 1

Das Geld (L'argent), F/ Schweiz 1983, Regie: Robert Bresson, mit Christian Pathey, Vincent R isterucci, 85 Min., DF

Gefälschte 500-Francs-Scheine sind im Umlauf. Ein junger Mann wird zu Unrecht verdächtigt, etwas damit zu tun zu haben. Er landet kurz im Gefängnis. Danach ist nichts mehr wie vorher. Sein Lebensweg hat sich verändert und er wird Rache an der Gesellschaft üben. Bressons letzter Film im Alter von 81 Jahren.

Das Kino als Einstellung

aus der Reihe: Schule des Sehens

Mi. 07.12.2011, 16:00-18:00 Uhr im CITY 46/ Kinoschule

Leitung: Bettina Henzler

Die Einstellung ist die kleinste Einheit des Films: ein bewegtes Bild. Sie ist Zeit, Raum und Bewegung; Ausschnitt aus der Wirklichkeit, Rahmen eines Bildes, Schauplatz einer Inszenierung. In Einstellungen äußert sich auch eine Haltung zur gefilmten Wirklichkeit. Es geht um die Frage, wie diese Aspekte im Film zusammenspielen und wie sie Stil und Wirkung des modernen Kinos prägen.

L'enfant

Film zum Seminar
Mi. 07.12.2011, 18:00 Uhr im CITY 46/ Kino 1

L'enfant, Belgien/ Frankreich 2005, Regie: Luc und Jean-Pierre Dardenne mit Jérémie Renier, Déborah François, 95 min.

Der Kleinkriminelle Bruno macht alles zu Geld – sogar sein eigenes Kind ... Der realistische Stil der Brüder Dardenne ist durch eine sorgfältige Komposition langer Einstellungen geprägt. Die beiden belgischen Regisseure stehen in der Tradition der europäischen Nachkriegsmoderne, für die das Drehen von Einstellungen eine Frage der moralischen Haltung war. Sie verbinden in einzigartiger Weise einen genauen Blick auf die soziale Realität mit zeitlosen Fragen nach Schuld und Verantwortung, nach dem Spielraum, dem jeden Menschen für ein bewusstes Handeln bleibt. Mit L'enfant wurde bereits der zweite Film der Dardennes mit der Goldenden Palme in Cannes ausgezeichnet.

A wie Antonioni

aus der Reihe: Das ABC des Autorenfilms

Mi. 16.11.2011 16.00–18:00 Uhr im CITY 46/ Kinoschule

Leitung: Prof. Dr. Winfried Pauleit

Michelangelo Antonioni gehört zu den zentralen Regisseuren des italienischen Kinos. Sein Werk entsteht im Kontext des Neorealismus' nach dem II. Weltkrieg. Der Seminarblock ist eine ergänzende Vorbereitung zur anschließenden Filmvorführung von Antonionis La Notte.

Die Nacht

Film zum Seminar
Mi. 16.11.2011 18.00 Uhr im CITY 46/ Kino 1
(Wdh.: Do. 17.11., 20:30 Uhr)

La Notte, Italien/ Frankreich 1961, Regie: Michelangelo Antonioni, mit Jeanne Moreau, Marcello Mastroianni, Monica Vitti, 122 Min.

Der Schriftsteller Giovanni ist seit zehn Jahren mit seiner attraktiven Frau Lidia verheiratet. Im Laufe einer Nacht enthüllt sich die Leere und die Kommunikationslosigkeit ihrer Beziehung. "Antonionis brillant inszenierter Film [ist] einer der einflussreichsten Filme des europäischen Nachkriegskinos, der - nicht zuletzt wegen seiner hervorragenden Darsteller - auch heute noch zu faszinieren vermag." (Lexikon des internationalen Films)

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Farbexperimente im avantgardistischen Film

aus der Reihe: film:art

Mi. 09.11.2011, 16:00–18:00 Uhr im CITY 46/ Kinoschule

Leitung: Christine Rüffert

Anlässlich der Ausstellung "Farbe im Fluss" im Museum Weserburg wird der Frage nachgegangen, in welcher Weise auch Filmkünstler den freien Umgang mit Farbe erprobt haben. Diskutiert werden Beispiele aus dem Bauhaus (Farblehre Ittens), dem absoluten Film der 1920er Jahre und die bis heute andauernden Versuche, mithilfe von Farbe "visuelle Musik" zu erzeugen. Der Seminarblock ist gedacht als Vertiefung und Vorbereitung zum anschließenden öffentlichen Kinoprogramm "film:art 52 / Absolute Farbe - Vom Bauhaus zur Computerkunst".

Farbexperimente im avantgardistischen Film

film:art 52

Filmprogramm zum Seminar:
Mi 09.11.2011, 18:00-20:00 Uhr im CITY 46
/ Kino 1

Einführung: Christine Rüffert

Bereits zur Zeit des stummen Schwarzweiß-Kinos experimentierte man am Bauhaus mit abstrakten Farbformen. Seither finden sich im Avantgarde-Kino vielfältige Ansätze, Farbe - losgelöst von einer Erzählung - als eigenständiges formales Mittel einzusetzen, zumeist im Verhältnis zu einer Soundebene.

Christine Rüffert führt durch Beispiele aus Klassikern der 1920er Jahre bis zur zeitgenössischen computergenerierten Visual Music. Eine Veranstaltung im Rahmen der Ausstellung "Farbe im Fluss" im Museum Weserburg.

Die Filme:
   | Reflektorische Farblichtspiele | Kurt Schwerdtfeger | D 1922 | 17:00 Min.
   | Opus III | Walter Ruttmann | D 1924 | 3:40 Min.
   | Komposition in Blau | Oskar Fischinger | D 1935 | 4:00 Min.
   | Color Rhapsody | Marie E. Bute | USA 1948 | 6:00 Min.
   | Allures | Jordan Belson | USA 1961 | 7:00 Min.
   | Still Life | Jenny Okun | GB 1976 | 6:00 Min.
   |
White Orange Green | Arthur and Corinne Cantrill | AUS 1969 | 4:00 Min.
   | Bouquet No. 3 | Rose Lowder | F 1995 | 1:00 Min.
   |
Irrealis | Rasmus Gerlach | D 2011 | 3:00 Min.
   | Blinq | Billy Roisz | A 2002 | 7:00 Min.
   | 068 | lia | A 2008 | 6:00 Min.